Fukushima...und womit noch zu 'rechnen' ist!



Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Sept. 2011 geschrieben. Er wird hier unverändert neu veröffentlicht.
Es möge nun jeder Leser selbst entscheiden, was sich seitdem 'getan' hat. Insbesondere die wieder aufflammenden Artikel und Talkrunden in denen vor einem "unbedachten" und "überstürztem" Atomausstieg gewarnt ... und das Strompreis-Grauen an die Wand gemalt wird, stimmt mich da doch eher skeptisch.
Daher hier noch mal: 
Fukushima...und womit noch zu 'rechnen' ist!
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Es ist nun etwas mehr als sechs Monate her, seit in Fukushima der als bestenfalls statistische Größe zu berücksichtigende GAU ( oder Super GAU ) unvermittelt Wirklichkeit wurde. Von heute auf morgen war die Welt eine andere. Oder schien es nur so? Der SPIEGEL titelte bereits am 14.3: „Fukushima 12. März 2011, 15,36 Uhr DAS ENDE DES ATOMZEITALTERS“.

Zu schnell geschossen?
Wo sind wir sechs Monate später?
In Japan wird von der Atom-Lobby massiv die Wiederinbetriebnahme der wegen „Stresstests“ abgeschalteten Reaktoren betrieben und von Seiten einiger Ökonomen der internationalen Energiewirtschaft wird bereits gemahnt, Deutschland müsse den Ausstieg noch mal "überdenken".
Und wie wird auch hierzulande schon wieder "gedacht", diskutiert … und gerechnet:

Was sich wie bezahlt macht.-Was uns das alles kosten wird … wer das bezahlen soll, … der Renter in Gladbeck, der die Photovoltaikanlage des Zahnarztes in Garmisch finanziert ….. ob die Lichter ausgehen, der Blackout uns alle zur Naßrasur zwingen wird … und die Arbeitsplätze … der Export … die Wettbewerbsfähigkeit, der Wohlstandsverlust etc. etc....
In diesen Tagen, angesichts macher Artikel und Diskussionsrunden, muß ich mich auf die Erkenntnis einlassen, dass es zwei Kategorien von Menschen gibt: Diejenigen, die sich beim nächsten Schritt fragen, was sie mit ihm alles verlieren könnten … und diejenigen, die ihr vorrangigstes Augenmerk darauf richten, was mit ihm zu gewinnen sein wird.
Während die einen den Untergang der Industrienation Deutschland heraufbeschwören, sehen die anderen die große Chance eben dieser Industrienation exemplarisch vorzumachen, dass es geht!
Dass eine Industrienation eine Hochrisikotechnologie aufgeben kann, ohne auch nur ein Jota an „Lebensstandard“ zu verlieren. Ja, letztendlich sogar noch einen viel größeren erringen wird!

Was mich doch insgesamt an der Diskussion bedrückt, ist, wie sich nun nach knapp sechs Monaten die Meister der Rechenschieberei und Beherrschbarkeitsphantasien wieder zur Geltung bringen.
(Was ihnen mehr gelingt, als manchem lieb sein kann – jedenfalls komme ich nicht umhin, die zunehmenden .. und wer soll das bezahlen-Fragen der Journalistik so zu deuten)
Daher möchte ich aus meinem Blickwinkel auf eine weitere und weitestgehend unbeachtete Dimension des „Bezahlens“ hinweisen.
Das geht nicht ohne eine ganz persönliche Stellungnahme:

Die Frage nach der Atomenergie, die zuinnerst eine Frage nach der Verwandlung der Materie ist, beschäftigt mich nun schon seit ca. 30 Jahren. Da ich kein Physiker bin, kann ich zu den physikalischen Qualitäten eines Stoffes ziemlich wenig sagen. Ich nehme mir aber das Recht heraus, wenn nicht als Physiker, so doch sozusagen als „Gestiker“ auf die Stoffe zu schauen.
Was macht ein Stoff unter gewissen Verhältnissen? Wie verändert er sich unter welchen Beeinflussungen? Welche Gebärde zeigt er? Gibt es auch in der Materie so etwas wie eine „Gebärdensprache“, eine „Gestik“ mit der ein Stoff sein Verhältnis zur Umwelt bzw. Mit-Welt darstellt. Was ist Materiezerfall? Was ist Kernspaltung?
Und vor allem: Was ist RADIOAKTIVITÄT?

Kann dazu nur der Physiker etwas sagen? Kann man nur in physikalischen Begriffen darüber nachdenken, was da eigentlich passiert, wenn Materie „verstrahlt“?
Oder kann/muß jeder Mensch die Welt, die Dinge, die Stoffe, soweit befragen und begreifen, dass sie ihm etwas von ihrem 'Eigentlichen' zeigen? Eventuell sogar dem „Gestiker“ einen einfachen Hinweis geben können, der dem Physiker fremd bleiben muß?

Diese eigenen Fragen begannen bei mir in den Jahren des Nato-Doppelbeschlusses und unter den Transparenten „Der Atomtod bedroht uns alle“!
Und da dieser Tod eben nicht nur im Kontext einer militärisch-atomaren Bedrohung lauert, sondern auch im allseitig forcierten Ausbau der sogenannten „friedlichen Nutzung der Kernenergie“, war eine existentielle Auseinandersetzung damit unumgehbar.
Jedenfalls für mich.
Also, wie stehe ich dazu? Wie spricht das anbrechende „Atomzeitalter“ zu mir? Was vermag ich dazu zu sagen --- und ggf. dagegen?!

Ich habe mir schon damals erlaubt, ganz einfach zu fragen? Und ganz „unwissenschaftlich“!
Was ist das für ein Tod – der „Strahlentod“? Wie wirkt Radioaktivität auf komplexe Lebensgefüge, wie vor allem der Mensch eines ist? Was tritt damit Neues in die Welt ein? Kennzeichnet sich das „Atomzeitalter“, das ja auf allen Rängen etablierter Politik so euphorisch begrüßt, gefeiert und forciert wurde, auch durch eine völlig neue Qualität des Todes? Lag in der einen Hand die Verheißung „billiger und unerschöpflicher Energie“ für ein bequemeres Leben… und in der anderen, gleichsam in der Hinterhand, der neue und qualvolle Atom-Tod?
Der neue Tod durch Radioaktivität.

Und vor allem: Gibt es einen Unterschied zwischen natürlicher und künstlicher Radioaktivität?

Ist es egal, ob „spaltfähiges Material“ in der Erde eingebunden bleibt – eben an den Uranlagerstätten-oder einer künstlichen „Kernzertrümmerung“ unterworfen wird?
Eine immens wichtige Frage, und letztendlich die Kernfrage in der Kernenergie, da gewisse Verlautbarer nicht müde werden, nach Tschernobyl genauso wie nach Fukushima, die ausgetretenen Strahlenwerte zu den „natürlichen Strahlenquellen“ in Beziehung zu setzen. Und hier stellt sich unausweichbar die Frage, ob die natürliche und die künstliche Radioaktivität einen inneren Wesens-Unterschied haben, (der sich der rein physikalischen Messbarkeit entzieht) da sie auf höchst unterschiedliche Weise aus Zerfalls-und Wandlungsprozessen der Materie resultieren.

Um ein griffiges Beispiel zu nehmen:
Wenn Sie ins Leichenschauhaus geführt werden und dort mit einem adäquaten Messinstrument zu einem „Dosimeter“ vor zwei Leichen stehen, von denen die eine durch Entschlafen zu Tode kam und die andere durch Erschlagen, dann wird ihnen ihr „Dosimeter“ nichts anderes verraten, als dass beide in einem identischen Zustand sind, nämlich tot.
Ihr Meßinstrument zeigt einen Unterschied zwischen„Entschlafen“ und „Erschlagen“ nicht an!
Auf der reinen Prozeßebene des Lebens also sind beide Toten in einem absolut gleichen Zustand.

Aber jedes der Moral fähige Wesens wird trotzdem davon ausgehen, dass es da einen Unterschied gibt! Und dass dieser Unterschied zwischen „Entschlafen“ und „Erschlagen“ in der Gemeinschaft der Menschen eben strafbewehrt ist.Totschlag ist eine Straftat!

Ist es undenkbar, dass im Laufe der fortschreitenden Evolution eine tiefere Wesens-Vernetzung zwischen Menschheit und (Um) Welt sich vollzieht und im Zuge eines 'Bewusster-Werdens' bis in den Stoff hinein die moralische Dimension einer Handlung in die Wirksamkeit tritt und bei Nichtbeachtung „strafende“ Folgen nach sich zieht?
Diese 'Undenkbarkeit' jedenfalls ist der Kern-Gedanke, der mich nun schon einige Jahrzehnte umtreibt … und der mir sagt, dass, solange wir den großtechnischen „Totschlag“ ins Lebendige der Erde-- und durchaus der Mutter Erde---hinein begehen, wird uns, sozusagen systemimmanent, nichts anderes als der Tod---in neuem energetischem Gewand--- entgegentreten können. 

So gesehen, ist Fukushima m.E. nicht nur eine Herausforderung an unsere technische Bereitschaft, die Atomenergie durch Erneuerbare zu ersetzen, sondern auch eine Herauf-Forderung klarsichtig den Wesensunterschied zwischen natürlicher und künstlicher Radioaktivität zu erkennen und schnellstmöglich die gesamte Schöpfung -denn da ist nicht nur der Mensch allein bis in seine Grundfesten bedroht- aus der Todeszone der Atomenergie herauszubringen und in Zukunft herauszuhalten.

Nachsatz:
Der genannte Unterschied in der Radioaktivität ist einigen Naturwesen, ( die übrigens zur Zeit aus drängendster existentieller Not auf verschiedenen Wegen verzweifelt einen Kontakt zur Menschenwelt herstellen ) zutiefst bekannt.... und eine Bereitschaft, die Welt durch menschliches Handeln widerstandslos dem „toten Tod“ ( wie einige Naturwesen die Wirkung der künstlichen Radioaktivität nennen) zu übereignen, ist von deren Seite nicht (mehr) zu erwarten.
Vom Menschen weiterhin unverstandene „Naturkatastrophen“, sozusagen aus der Widerstandsbewegung der Naturwesen, dagegen eher.

Was dann zu 'berechnen' und zu bezahlen sein wird, könnte alles Vorstellbare überschreiten.

Kommentare

  1. Nichts hat sich geändert, aber auch rein gar nicht nur schimmer ist es geworden.

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